der Orgelbauer Josef Sies

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Geboren wurde Josef Nikolaus Sies am 4. Dezember 1818  in Schnann, als Sohn des Bauern und Handelsmanns Jakob Sies und dessen Ehefrau Maria Anna Kerber.

Wo er den Orgelbau erlernte, ist nicht bekannt. Die von Sies gebauten Orgeln unterscheiden sich hinsichtlich Disposition, Klangcharakter, technischer Einzelheiten und Gehäusegestaltung deutlich von den Werken seiner Tiroler Zeitgenossen. Auf jeden Fall hat Sies eine gediegene tischlerische Ausbildung  erfahren, was sich in seinen Instrumenten ablesen lässt. Seine Vorliebe für Holz führte dazu, dass er auch bei Manualregistern, deren Pfeifen von den meisten Orgelbauern in dieser Zeit in Metall ausgeführt wurden, in der tieferen Lage Holzpfeifen unterbrachte. Sehr charakteristisch sind die einzigartig zusammengesetzten terzhaltigen Mixturen , ebenso die weiten, breit labiierten und niedrig aufgeschnittenen Metallpfeifen der Flöten 4‘ . In seinen Prospekten zeigt Sies eine Vorliebe für neuromanische Formen.

Werke

Die früheste nachweisbare orgelbauerische Tätigkeit von Josef Sies ist eine Reparatur der Pfarrkirchenorgel von Glurns im  Jahre 1846 , die letzte datierte Arbeit eine Reparatur der Orgel von Stilfs  (1885)  - beide in Südtirol.

Dazwischen liegen vier Jahrzehnte  einer fruchtbaren Tätigkeit, deren Zeugnisse heute noch das Bild der Tiroler Orgellandschaft mitprägen. Als sein erstes Werk wird die sechsregistrige Orgel von Trafoi/Südtirol (1848) bezeichnet. Ein Neubau für Schleis/Südtirol (1850) trug Sies eine öffentliche Belobigung im „Bothen für Tirol und Vorarlberg“ ein. Im folgenden Jahr entstand die Orgel für die Wallfahrtskirche zu den Hl. Drei Brunnen bei Trafoi/Südtirol.

Der endgültige Durchbruch  gelang Sies mit seinen Werken für Laas (1853) und Kurtinig  (1855) - beide in Südtirol -  und mit mehreren größeren Reparaturen im Bozner Unterland und in Bozen selbst. 

Auszug von einem Sachverständigen Komitee zur Bozner Pfarrorgel: 

Der Ton der Orgel, die sich vorher in einem „anerkannt schlechten Zustande“ befunden hatte, zeichne sich nun durch Kraft und Würde aus, die Intonation sei rein und die Arbeit „solid und fleißig zu nennen“, weshalb Sies als „Meister in seinem Fache“ allerorts empfohlen wurde.

(Innsbrucker „Volks- und Schützen-Zeitung“; 1855)

Es folgten einige Neubauten und Umbauten folgender Orgeln (Auswahl):

In Südtirol:  Schleis -1850, Terlan - 1856-57, Sarnthein - 1858-59, Dorf Tirol -1859, Hafling – 1859, Völs am Schlern - 1863, Terlan - 1864, Meran- Obermais, St. Valentin -1864-65, Völser Aicha – 1870, Meran – Untermais, Maria Trost - 1876, Margreid - 1876, 

Tirol:  Pfunds – 1852, Nauders – 1868, Innsbruck Ursulinenkirche – 1875, Innsbruck (Dom zu St. Jakob) - 1875, St. Jakob a. Arlberg - 1879,  Strengen – 1866, Imst, St. Johannes - 1884, Santa Maria Val Müstair, - 1868 (Graubünden), San Marco Kirche, Trient – 1876.

Der Kunstsinn , der sich im Schaffen von Josef Sies zeigt, steckte in der Familie: Seine beiden Brüder Johann Anton (geb. 29. April 1817, gest. 29. Jänner 1873) und Philipp Jakob (geb. 6. April 1820, gest. 25. Februar 1863 in Klagenfurt) wurden als Maler bekannt. Beide waren auch für Südtiroler Kirchen tätig.

1859 ist sein Bruder Alois (geb. 24. Jänner 1826 in Schnann, gest. 6. Jänner 1871 in Amden/Schweiz) als Gehilfe von Sies nachweisbar.

Josef Sies erwarb am 21. Dezember 1870  von der Bergler Tochter Katharina Mayr in Völs am Schlern / Südtirol, die “Metzgerbehausung auf dem Kupferplatze“ nebst einem Krautgarten und zwei Wiesfeldern um 2400 fl ö.W. Interessant ist die Berufsbezeichnung „Orgelfabrikant“  im Kaufvertrag, nach damaligen Sprachgebrauch nicht als Anspielung auf einen Großbetrieb, sondern als Garant  solider, qualitätsvoller Arbeit zu verstehen.

Am 17. Februar 1886  starb Josef Sies, lediger „Orgelbauer und Hausbesitzer dahier am Kupferplatz“ in Völs an Wassersucht.

Denkmäler für das Schaffen von Sies sind seine Orgeln. Sie fanden schon zu Lebzeiten ihres Erbauers hohe Anerkennung, vermögen uns aber auch heute noch zu beeindrucken.