Murenkatastrophen in Schnann

der Text zum Thema

Der Schnanner Bach – seit jeher ein ausgesprochener Wildbach – entspringt in den südlichen Einhängen der Vorderseespitze und hat ein Einzugsgebiet von 6,50 km².  Das Grundgestein des Einzugsgebietes besteht aus Hauptdolomit und ist im äußeren Bereich von Schiefergesteinen überlagert, welches bei ausnehmend starken Gewittern durch die Klamm befördert wird. Ohne die Klamm, die nebenbei eine geologische Sehenswürdigkeit ist, hätte Schnann an dieser Stelle nicht erbaut werden können.

Im Jahre 1934  und in den darauffolgenden Jahren wurden die ersten beiden Staumauern  errichtet – die erste ca. 250 m hinter der Klamm, die zweite ca. 90 Gehminuten Richtung Alperschon.

Schwere Murenabgänge  hat es schon immer gegeben – so z.B. im Jahre 1852, 1876, 1906, 1934, 1944, 1952 und 1969.

In den Jahren 1979-1980 wurde unter der Federführung von HR Dr. Leys (WLV Tirol) der Schnanner Bach verbaut – in der Hoffnung, dass unser Ort in Zukunft vor weiteren Murenkatastrophen verschont bleibt. 

Die Hoffnung der Schnanner Bevölkerung erfüllte sich nur zum Teil. Denn, wie die nachstehend angeführte Chronologie zeigt, hat sich der Schnanner Bach auch nach seiner Verbauung einige Male „ausgetobt“ – schneller und gefährlicher als je zuvor.

17. September 1986

Schwerer Murenabgang nach einem heftigen Gewitter in den Lechtaler Alpen. Verklausung durch Lawinenholz im Oberlauf des Baches. 15.000 m³ Material wurde zu Tal befördert. Die Rosanna wurde auf eine Länge von 300 m zurück gestaut.

29. Juli 1990

Schwerer Murenabgang nach einem Unwetter mit Hagelschlag in den „Hinteren Pleisen“. 25.000 m³ Geröll  und Gestein brachte diesmal der Schnanner Bach mit ins Tal und verwüstete den ganzen Ortskern. Insgesamt waren 12 Wohngebäude, 2 Kleingewerbebetriebe und ca. 800 lfm Gemeindestraßen  vom Murgang betroffen. Auch Kulturgründe, Ver- und Entsorgungsleitungen wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden betrug allein in Schnann ca. 300.000 €. Die Brücke zur Klamm wurde mitgerissen und verkeilte sich im Unterlauf des Schnanner Baches.

23. Oktober 1990

Das Projekt „Murenverbauung in der Schnanner Klamm“ wird unter großer Anteilnahme der Schnanner Bevölke-rung vorgestellt. Die gesamte Bauphase besteht aus 5 Abschnitten: Wegbau – Tunnelbau – Schüttung Lawinenauffangdamm in Althaus – Wiederherstellung Gemeindebrücke – Geschiebestausperre mit einem Fassungsvermögen von 48.000 m³ .

Februar - März 1991

Während des Tunnelbaues kam es zu drei „Fehlsprengungen“, bei denen nicht nur die darunter liegenden Häuser schwer beschädigt wurden, sondern auch einige Bewohner verletzt wurden.

8. August 1991

Murenabgang nach einem Unwetter mit Hagelschlag. Ca. 5.000 m³ Gestein wurde unterhalb der Dorfbrücke abgelagert. Der Kinderspielplatz wurde wieder schwer beschädigt.

7. August 1992

Murenabgang nach Hagelunwetter im Bereich der Samspitze. Durch den gleichzeitigen Murenabgang vom „Gassli“ wurde die Rosanna weit zurück gestaut. Auf Grund des „ungünstigen“ Mondstandes wurden durch diesen Murenabgang tiefe Gräben aufgerissen. Die neu errichtete Geschiebesperre hat wohl eine größere Katastrophe verhindert. 

Ob wohl die neue Geschiebesperre in Zukunft hält, was sie verspricht?

18. August 2002

Die von der „Kapellengemeinschaft Schnann“ unter Initiator Gebhard Zangerl errichtete  „Bergacker-Kapelle zum Hl. Michael“  wird eingeweiht. Der Hl. Michael ist der Schutzpatron gegen Blitz, Hagel, Stürme und Unwetter. 

23. August 2005

Extrem langer Starkregen (es regnete 14 Tage ununterbrochen) verursachte in der Nacht vom 23. auf den 24. August nicht nur in Schnann und in den umliegenden Gemeinden, sondern im ganzen Bezirk Landeck die größte Murenkatstrophe seit Menschengedenken. 

Das Grollen und Tosen des Schnanner Baches nach einem Gewitter löst auch heute noch bei der  Schnanner Bevölkerung ein gewisses Unbehagen aus.